Ostalbkreis
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Opferschutz im schlimmsten Medienansturm

Freitag, 16. März 2018 – REMS-ZEITUNG

Schwäbisch Gmünd und Ostalbkreis

 SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Unvergessen ist für Werner Stanislowski sein Einsatz als Beauftragter des WEISSEN RINGS für Opfer und deren Familien nach dem Amoklauf von Winnenden. Er stand auch dem Opfer bei, das als einziges den Amoklauf überlebt hatte. Der aus dem Gmünder Raum stammende Mann war von dem 15-fachen Mörder nach dem Amoklauf in der Albert-Ville-Realschule in Winnenden entführt worden. Er stand zufällig in der Nähe, um mit seinem Pkw auf seine Frau zu warten. Während der über zwei Stunden dauernden Irrfahrt und mit der Schusswaffe am Kopf war der Entführte Todesängsten ausgesetzt. Werner Stanislowski schildert den weiteren Ablauf, den er gemeinsam mit dem Opfer genau protokolliert hat:

Während der Fahrt äußerte der Täter während des Nachladens der Magazine für seine Pistole, dass er noch weitere Schulen aufsuchen wolle. Das Entführungsopfer konnte dies aber verhindern und ließ sich bei Wendlingen an einer Polizeikontrolle aus dem fahrenden Auto fallen. Durch diese mutige Tat wurde möglicherweise ein weiterer Amoklauf verhindert. Statt Lob und Anerkennung stand er zunächst selbst im Verdacht, etwas mit der Amoktat zu tun zu haben. In der überregionalen Presse und im Internet wurde er auf das Übelste diffamiert und als „Lügenbaron“ bezeichnet.

Ganze Heerscharen von Pressevertretern und Fernsehteams belagerten sein Haus, bedrängten Familienangehörige und boten den Nachbarn Geld für Fotos und Informationen. Daraufhin entschloss sich der Mann, wie Stanislowski berichtet, auch auf sein Anraten hin, die Entführungsgeschichte zwei seriösen Medien zu erzählen. Durch diesen Befreiungsschlag hatte er vor der Pressemeute Ruhe und der Belagerungszustand in der Wohnstraße der Kreisgemeinde hatte endlich ein Ende.

Die von den beiden Medien angebotene Aufwandsentschädigung, so versichert Stanislowski, reichte gerade aus, um sich ein gebrauchtes Auto zu kaufen. Sein Fahrzeug war bei der Flucht beschädigt worden. Außerdem war er psychisch nicht in der Lage wieder mit diesem Auto zu fahren.

Besonders bitter war, so Werner Stanislowski, das sowohl dem Entführungsopfer als auch dem Vertreter des WEISSEN RING vorgeworfen wurde, sich durch die Straftat bereichert zu haben. Das Entführungsopfer erhielt weder ein Schmerzensgeld, noch eine staatliche Entschädigung. Bei den Trauerfeiern wurde er nicht eingeladen. Er musste jahrelang psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.