Ostalbkreis
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Helfer und Lotsen für Kriminalitätsopfer

Freitag, 16. März 2018 - REMS-ZEITUNG  

Schwäbisch Gmünd und Ostalbkreis

SCHWÄBISCHGMÜND (hs/pm). Seit 2008 leitet der pensionierte Kriminalhauptkommissar Werner Stanislowski die Außenstelle der Opferhilfsorganisation WEISSER RING e. V. im Ostalbkreis. Er wollte seine in 41 Jahren Dienstzeit erworbenen Erfahrungen nicht brachliegen lassen. Nicht als Strafverfolger, sondern im Bestreben, Kriminalitätsopfer mit Rat und Tat zu begleiten.

Während seiner Arbeit als Kripobeamter habe er, wie Werner Stanislowski im Gespräch mit der Rems-Zeitung anlässlich des Tags der Kriminalitätsopfer (22.März) darlegt, oft mit ansehen müssen, dass nach schweren Straftaten das Leben von traumatisierten Opfern materiell, psychisch und oft auch physisch völlig aus den Fugen gerät.

Zusammen mit den Mitarbeitern Wolfgang Bienek und Dieter Holzhauer kümmert er sich ehrenamtlich um Opfer von Gewalttätern, Betrügern oder auch Einbrechern. Die Arbeit wird nicht weniger, ganz im Gegenteil „In den ersten zwei Monaten dieses Jahres waren es bereits 20 Kriminalitätspopfer, welchen geholfen werden konnte“, sagt Werner Stanislowski. „In zehn Fällen waren es Sexualdelikte wie Vergewaltigung und sexueller Missbrauch von Kindern. Diese Straftaten sind für die Opfer oft schwer zu bewältigen und erfordern deshalb ein besonderes Maß an Einfühlungsvermögen.“

Die anderen Fälle waren Körperverletzungen, Raubdelikte, häusliche Gewalt, Stalking und Betrug. Gerade der Betrug über das Internet wird immer mehr zum Problem.“ Laut einer repräsentativen Untersuchung ist schon fast jeder zweite Internetnutzer schon Opfer von Internetkriminalität geworden. Auch die psychischen Folgen von Wohnungseinbrüchen sind für die Betroffenen oft sehr belastend und dürfen nicht unterschätzt werden, so berichtet Stanislowski aus seinen Erfahrungen. Die hilfesuchenden Opfer erhalten vom WEISSEN RING neben menschlichem Beistand und persönlicher Betreuung auch das Angebot einer Begleitung zu Terminen bei der Polizei, bei Rechtsanwälten, bei Behörden und bei Gericht. „Wir verstehen uns als Lotse durch das gesamte Verfahren“, so erklärt das Helfer-Trio.

Viele der Opfer leiden ein Leben lang an psychischen, physischen und auch materiellen Folgen

Allein im Januar und Februar erfolgten acht Prozessbegleitungen. Die Opfer sollen sich nicht alleine gelassen fühlen. Es wird ihnen auch geholfen beim Ausfüllen von Formularen und auf die Hilfsmöglichkeiten anderer Stellen hingewiesen und entsprechende Kontakte hergestellt. Hilfeschecks ermöglichen den Opfern eine kostenfreie anwaltliche oder psychotraumatologische Erstberatung sowie eine rechtsmedizinische Untersuchung. Wenn jemand durch eine Straftat in eine finanzielle Notlage geraten ist, kann der WEISSE RING meistens weiterhelfen.

Im Januar und Februar 2018 wurden bereits über 3000 Euro für die Opfer ausgegeben. Die Hilfeleistungen erfolgen schnell, vielfältig und direkt. Finanzielle Zuwendungen müssen nicht zurückgezahlt werden. Die Hilfe ist auch nicht von einer Mitgliedschaft im Verein abhängig.

„Viele der Opfer leiden ein Leben lang unter den Tatfolgen. Deshalb ist es wichtig, dass sie den Schutz einer menschlichen Gesellschaft spüren und nicht das Vertrauen in die Gerechtigkeit verlieren“, meint Werner Stanislowski.

So beschreiben auch Dieter Holzhauer und Wolfgang Bienek:"Es sei der schönste Lohn für die ehrenamtliche Arbeit, wenn die Opfer sich nach der oft sehr belastenden Gerichtsverhandlung bedanken und erklären, dass sie ohne die Hilfe des WEISSEN RINGS alles kaum durchgestanden hätten.

Ist dieses Ehrenamt nicht außerordentlich belastend für das Privatleben der Helfer, wenn schlimmste Eindrücke menschlicher Abgründe aus dieser freiwilligen Arbeit mit nach Hause genommen werden? Werner Stanislowski bestätigt: Ja, es sei in der Tat oft nicht einfach, das Gehörte und Gesehene einfach auf die Seite zu schieben. Besonders, wenn es um Gewalt gegen Kinder und sexuellen Missbrauch gehe, würden die Gedanken und Sorgen lange um die Fälle kreisen. Und: „Für mich ist die traurige Erkenntnis das Allerschlimmste, dass solche Taten oft in der Familie oder in der Nachbarschaft passieren, wo Kinder eigentlich größte Sicherheit und Vertrautheit finden müssten.“

Und wie kommt man mit solchen Belastungen als Begleiter, Helfer und Ratgeber zurecht? „Das vertrauensvolle Gespräch in unserem Team ist da ganz wichtig“, unterstreicht Dieter Holzhauer. Wolfgang Bienek ergänzt, dass es andererseits ein gutes Gefühl der Erfüllung sei, weil man in diesem Ehrenamt ganz direkt spüre, Mitmenschen in schlimmsten Notlagen helfen zu können.